Filmkritik: Avengers – Infinity War

Zehn Jahre ist es nun her, dass Iron Man mit seinem ersten Film den Startschuss für das Marvel Cinematic Universe legte. Unter der Aufsicht von Produzent Kevin Feige wurde in den folgenden Jahren die Basis für das bis dato epischste Filmuniversum aller Zeiten gelegt, welches bisher 18 Filme zu Marvels beliebtesten Superhelden umfasst.  Mit Avengers – Infinity War steht nun Marvels bisher ambitioniertestes Projekt in den Startlöchern und verspricht die Welt von Iron Man, Captain America, Thor und den anderen gehörig umzukrempeln. Ob dieses Unterfangen geglückt ist, erfahrt Ihr in unserer Filmkritik.

AVENGERS: INFINITY WAR
Regie: Anthony und Joe Russo
Darsteller: Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Chadwick Boseman, Chris Pratt, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Benicio del Torro u.v.m.

Story:

Thanos sucht nach den Infinity Steinen, uralte relikte die grenzenlose Macht verleihen, um damit das Gleichgewicht im Universum wiederherzustellen. Dies würde allerdings einen grausamen Genozid mit sich bringen. Die Avengers stellen sich dieser schier unaufhaltsamen Bedrohung in den Weg.

Kritik:

Es ist bemerkenswert, was die Marvel Studios innerhalb von zehn Jahren erschaffen haben. Superhelden, die einst nur einem kleinen Kreis von Comickennern bekannt waren, lockten plötzlich Millionen von Besuchern in die Kinosääle und verschafften dem Haus der Ideen und später auch Disney zu Umsätzen in Rekordhöhe. Fast jeder Film kann für sich allein stehen, doch sind sie auf irgendeine Art und Weise stets miteinander verbunden. Wie ein Mosaik setzte sich das Bild Stück für Stück zusammen, um nun in epischen zweieinhalb Stunden seine volle Wirkung zu entfalten. Dies ist ein äußerst ambitioniertes Unterfangen, welches eine akribische Planung voraussetzt. Für dieses Mammutprojekt wurden die Brüder Joe und Anthony Russo mit dem Regieposten vertraut, was nach den Erfolg ihrer Captain America Filme und dem Ausscheiden von Joss Wheddon eine durchaus kluge Entscheidung war. Durch ihre Vernetzung mit den anderen Regisseuren ist es ihnen gelungen, die diversen Fäden der Einzelfilme zu einem großen Ganzen zusammenlaufen zu lassen. Dies hilft Infinity War merklich ein kohärentes und stimmiges Filmerlebnis abzuliefern, was aber auch ohne Vorkenntnisse von Thor: Ragnarok, Black Panther und Guardians of the Galaxy Vol. 2 der Fall sein dürfte.

Marvel Studios‘ AVENGERS: INFINITY WAR..L to R: Wong (Benedict Wong), Doctor Strange/Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), Bruce Banner/Hulk (Mark Ruffalo), Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.)..Photo: Chuck Zlotnick..©Marvel Studios 2018

Neben der Aufgabe die Brotkrumen in Form der namensgebenden Infinity Steine, welche geschickt seit Beginn des Cinematic Universe eingestreut wurden, zu den Ereignissen im Film führen zu lassen, mussten auch die knapp 30 Schauspieler koordiniert werden. Dafür nimmt sich der Film erstaunlich viel Zeit und knüpft an den jeweiligen Storypunkten der Einzelfilme an. Die Chemie unter den Schauspielern ist dabei stets hervorragend und führt zu witzigen verbalen Auseinandersetzungen. Auch wenn es eine pure Freude ist so viele Superhelden gemeinsam vor der Kamera stehen zu sehen, lässt es doch eine gewisse Charakterentwicklung bei den Beteiligten schmerzlich vermissen. Scheinbar ging das verfügbare Pensum an Charakterzeichnung fast vollständig an den Antagonisten des Films, welcher mit Thanos (Per Motion Capturing von Josh Brolin dargestellt) aber auch deutlich davon profitiert und den verrückten Titanen erstaunlich menschlich und emotional wirken lässt. Wurde er in seinen bisherigen Auftritten nur als Taktgeber gezeigt, erfahren wir nun was die Motivation hinter seinen Taten ist. Dies nimmt aber keinesfalls etwas von seiner bedrohlichen Präsenz, die durchweg spürbar ist und von seinen ebenso bedrohlichen aber völlig eindimensionalen Generälen, der sogenannten Black Order, geteilt wird. Diese Bedrohlichkeit wird aber auch durch den Aspekt verstärkt, dass diverse Handlungen weitreichende Auswirkungen haben und Infinity War dadurch zum wohl konsequentesten Film von Marvel machen. Dies dürfte Fans zugleich erfreuen als auch schockieren, ist aber ein willkommener und überfälliger Schritt der getan werden musste. Dies verleiht dem Film auch eine gewisse Tragik, die eine schwelende Aussichtslosigkeit mitschwingen lässt. Etwas dessen Fehlen oft an den Filmen des Cinematic Universe bemängelt wird. Der Humor ist zwar vorhanden, aber läuft gerade nach dem ersten Drittel auf Sparflamme und nimmt dem Film nichts von der Schwere, was dem Unterhaltungsfaktor aber keinen Abbruch tut. An Action mangelt es nicht, diese wird aber effektiv eingesetzt und bietet oft Momente die den Zuschauer in den Sessel pressen.

Marvel Studios‘ AVENGERS: INFINITY WAR..Thanos (Josh Brolin)..Photo: Film Frame..©Marvel Studios 2018

Leider hadern die Actionsequenzen teilweise an einer Unübersichtlichkeit, welches gerade bei Vorstellungen in 3D störend wirken können, da dem Auge keine Zeit gelassen wird die mitunter hektischen Kampfszenen zu erfassen. Dennoch wird dem Auge viel geboten und lässt Fans von Massenschlachten aufgeregt auf dem Sitzmöbel herum rutschen. Geschickt lotsen die Russo Brüder die Protagonisten durch stimmungsvolle Sets auf verschiedenen Planeten, geben ihnen aber aufgrund der drei Handlungsstränge keine Gelegenheit auf ein komplettes zusammentreffen.
Für die musikalische Untermalung wurde erneut Alan Silvestri verpflichtet, der viele bekannte Themen wie das der Avengers oder die eingängigen Trommeln aus Wakanda aufgriff und sie passend den Szenen zuordnete. Zudem verstärken sie die emotionale Achterbahnfahrt und erzeugen eine eindrucksvolle Wirkung die durchaus Klöße im Hals zu erzeugen vermag. Nichtsdestotrotz ist der Film bei weitem nicht perfekt und krankt an Problemen beim Pacing und dem Anspruch jedem der Charaktere, darunter auch Fanlieblingen, eine gewisse Präsenz zukommen zu lassen. Trotz der mit 149 Minuten großzügig bemessenen Laufzeit kommt der Abspann sehr überraschend und dürfte für Verwirrung sorgen.
Am Ende dessen stehen aber einige mutige Entscheidungen die gegebenenfalls zu spät kommen, wodurch einige Stammzuschauer das Interesse an den Filmen der Marvel Studios verloren haben könnten.
Es ist schwer Avengers – Infinity War fair zu bewerten, da das Ende einige Fragen offen lässt und die Zeit bis zur Auflösung in der noch namenlosen Fortsetzung unerträglich macht. Erst dann wird man auch sehen können ob das Studio das Potenzial, welches mit diesem Film geschaffen wurde auch einzusetzen vermögen.

Fazit:
Bedrohlich und emotional bringt Avengers – Infinity War seine Protagonisten und Zuschauer an ihre Grenzen. Unterhaltend aber intensiv und bedrückend, dabei aber stets zielführend. Ein gelungenes Experiment mit Abzügen in der B-Note, dafür mit nicht gerade unwesentlichen Auswirkungen auf die darauf folgenden Filme.

Wertung:

4,5 von 5

Schlagwörter AvengersComicverfilmungDisneyFilmkritikInfinity WarMarvelReview

Über: Maggie DeLuchs

Maggie ist bereits seit vielen Jahren journalistisch im Nerd-Sektor unterwegs und schreibt Filmkritiken, News zu Filmen, Serien und Actionfiguren. Zu dem moderiert Maggie den Plauderteilchen Podcast. Zu den Lieblingsthemen gehören unter anderem Star Wars, 80er Jahre Cartoons, Game of Thrones, Doctor Who sowie Nintendo Spiele.

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